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Laudatio zur Verleihung des Jugendehrenamtspreises 2012

anlässlich des Neujahrsempfangs der Stadt Mölln am 15. Januar 2012
durch den Vorsitzenden des Vorstandes der Gemeinschaftsstiftung Mölln Wolfgang Engelmann

Frau Bürgervorsteherin, Herr Bürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Stadt Mölln und die Gemeinschaftsstiftung Mölln vergeben in diesem Jahr erstmalig einen Ehrenamtspreis für engagierte Jugendliche in unserer Stadt.
Bereits 2006 verlieh die in Mölln ansässige E.W.Kuhlmann-Stiftung einen solchen Preis und nun wird dieser bereits gelegte Faden auf Vorschlag unserer Bürgervorsteherin, Lieselotte Nagel, wieder aufgenommen.

In der Diskussion um „unsere Jugend von heute“ halten wir es gemeinsam für wichtig, einmal ein deutliches Zeichen zu setzen, dass wir in unserer kleinen Stadt eine Menge junger Menschen haben, die Aufgaben übernehmen, obwohl es von ihnen nicht verlangt oder erwartet werden kann. In dem Auswahlverfahren haben wir deutlich feststellen können, dass wir viele junge Menschen mit Schwung und Idealismus haben. Sie zeigen Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen und sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Dieses Engagement muss stärker honoriert werden und wir wollen das unter anderem mit der Verleihung dieser Auszeichnung tun.

Der ganz überwiegende Teil ehrenamtlicher Tätigkeit findet nach wie vor in und über bewährte Strukturen und Organisationen statt, nämlich die Wohlfahrtsverbände und die Sportvereine, über die Parteien, die Kirchen und die vielen anderen Einrichtungen, die das Netz bilden, das unsere Gesellschaft zusammenhält.

Wir leben in einer Zeit, in der pure Selbstverwirklichung als besonders erstrebenswert gilt – oder zumindest als erstrebenswert dargestellt wird. Von daher möchten die einzelnen Menschen stark Einfluss auf die Art und Weise nehmen, in der sie freiwillig tätig sind. Wobei es überhaupt nicht verwerflich ist, Ehrenamt und Selbstverwirklichung miteinander zu verbinden. Ehrenamt ist ein Dienst, aber auch eine Chance, seine Umgebung, unser Miteinander, unsere Gesellschaft mitzugestalten.

Der heute zu verleihende Preis – eine Eule – wurde von dem Möllner Künstler und Bildhauer Hans-Werner Könecke für diesen Zweck kostenlos entworfen und gestaltet. Durch die Gemeinschaftsstiftung Mölln wird eine Urkunde und ein Geldpreis in Höhe von 500 € dem Preisträger überreicht und er kann über die Verwendung dieses Geldbetrages innerhalb seiner vorschlagenden Organisation bestimmen. Damit bindet sich die Gemeinschaftsstiftung in das Gemeinwohl ein und zeigt, dass es unter dem Stiftungsmotto „Von Möllnern – für Mölln“ gute Ansätze für Menschen gibt, die gerne dieser Stiftung zu stiften möchten. Gerne stehen die anwesenden Vorstandsmitglieder auch heute für Gespräche zur Verfügung.

Der für diese Verleihung eingesetzten Jury hat es großes Vergnügen bereitet, sich mit den tollen eingereichten Vorschlägen zu befassen. Die Möllner SV hat Anuschka Peters, Deike Dinter und Kimberley Seemann vorgeschlagen. Die katholische Kirchengemeinde benannte Elisabeth Puls. Die evangelische Kirchengemeinde machte sich für die Kirchenband stark. Der Vereinmiteinander leben schlug die Theatergruppe „Brandmal“ und die Jugendfeuerwehr und den Jugendfeuerwehrwart Torben Willhöft vor. Alles Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Bereits die Benennung zur Verleihung eines solchen Preises ist eine große Auszeichnung und Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit, deshalb habe ich hier ausdrücklich alle Vorgeschlagenen erwähnt.

Die Jury musste sich aber für einen Preisträger entscheiden und hat sich letztendlich stellvertretend für alle Genannten für

Ercan Kök

entschieden.




Ercan wurde am 14.9.1993 in Mölln geboren und ist die dritte Generation der Familie Kök, die in Mölln lebt. Er besuchte die Till-Eulenspiegel-Grundschule, das Marion Dönhoff-Gymnasium, die A.Paul-Weber-Realschule und ist heute am Regionalen Bildungszentrum in der Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten für Fremdsprachen und erwirbt mit dem Abschluss die Fachhochschulreife. Am Rande bemerkt er, dass sein schulischer Werdegang vielleicht etwas gradliniger hätte sein können, wenn nicht sein starker ehrenamtlicher Einsatz gewesen wäre.

Ercan nimmt die Motivation für sein Engagement aus seinem Glauben, denn der Islam legt viel Wert auf ehrenamtliches Tun in der Gesellschaft. So wuchs die Überzeugung, dass Ehrenamt erforderlich ist.

Erste Kontakte zum Ortsjugendring gab es über die Aktion Ferienpass. Dann wurde man auf Ercan aufmerksam und der Kreisjugendring fragte an, ob er nicht Lust hätte, die eine oder andere Wochenendaktion mit zu begleiten. Er sagte zu und seit 2010 ist er sogar im Vorstand des Kreisjugendringes. Das Stadtspiel und die Aktion „Ein Herzogtum für Kinder“ haben ihn in ihren Bann gezogen. Er sagt, er habe nie Ressentiments gegen sich als Ausländer gespürt.

Jörg-Rüdiger Geschke hat ihn dann als Leiter der Theater-AG der Gemeinschaftsschule dafür gewonnen, mit in das Theaterprojekt „Brandmal“ einzusteigen. Mit Begeisterung hat sich Ercan – obwohl einziges männliches Wesen – eingebracht, denn er fühlt sich von Brandanschlägen durchaus persönlich betroffen – als Möllner aber auch als Türke.

Befragt nach seinen Zielen erklärt er: „Ich möchte mich weiter ehrenamtlich engagieren und nach dem Schulabschluss Erziehungswissenschaften studieren, um dann mit sog. „randständigen“ Jugendlichen zu arbeiten, gerne auch mit Migranten.“ In diesem Jahr, werden wir noch häufiger öffentlichen Kontakt haben, denn er will in dem Projekt „Till heckt mit dem Nasreddin“ als Schauspieler den Nasreddin verkörpern.

Seine Eltern haben sein ehrenamtliches Engagement immer unterstützt, mit einem Augenzwickern sagt er: „Dafür musste ich bei häuslichen Aufgaben weniger aktiv sein“.

Wir würdigen heute das ehrenamtliche Engagement – Ercan ist aber auch ein tolles Beispiel von Integration.

Wir sehen an Ercan und allen anderen engagierten Jugendlichen, dass Ehrenamt, freiwilliges Engagement, eine Chance für jeden einzelnen ist, sich einzumischen, mitzugestalten. Es ist nicht nur Hilfe für andere, sondern bedeutet auch – und Ercan beweist es – persönliche Weiterentwicklung.

Herzlichen Glückwunsch Ercan Kök !

 


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